Das Spaghetti-Diagramm ist eine der simpelsten, aber gleichzeitig wirkungsvollsten Methoden im Lean Management. Es visualisiert die Laufwege von Mitarbeitenden oder auch die Transportwege von Material oder Staplern. Es zeigt auf, wo unnötige Wege entstehen. Das Ziel? Weniger Kuddelmuddel, mehr Struktur und richtig viel Zeitersparnis durch kürzere Wege!
Was ist ein Spaghetti Diagramm?
Die Lean Management Methode die aussieht wie eine Kinderzeichnung
Warum heißt es Spaghetti-Diagramm? Weil das Ergebnis oft aussieht wie ein Teller Spaghetti – mit chaotisch verlaufenden Linien, die kreuz und quer über den Plan gehen. Schon einmal ein kleiner Spoiler vorab: Es ist eine Art Raumplan, in den mit einem Stift der Laufweg eingezeichnet wird. So einfach wie wirkungsvoll!

So erstellst du ein Spaghetti-Diagramm
- Zettel und Stift bereitlegen: Ein einfacher Raumplan oder eine Skizze des Bereiches, in dem Du den Laufweg aufnehmen möchtest, reicht aus.
- Spaghetti Diagramme macht man zu zweit: Eine Person führt den Arbeitsschritt aus, z.B. das Umrüsten einer Maschine. Die zweite Person läuft wie ein Schatten hinter der Person her.
- Laufwege aufzeichnen: Die Person, die der „Schatten“ ist, folgt der Person oder einem Materialfluss und zeichne jede Bewegung auf dem Plan nach.
- Bewegungsmuster analysieren: Wo laufen die meisten Wege zusammen? Wo entstehen unnötige Wege?
- Optimierungspotenziale ableiten: Kann Material näher an den Arbeitsplatz verlagert werden? Kann eine Maschine umgestellt werden? Gibt es unnötige Doppelwege? Können Abläufe zusammengefasst werden?
- Maßnahmen testen und den Prozess wiederholen: Nach den ersten Verbesserungen kannst du erneut ein Spaghetti-Diagramm anfertigen, um die Veränderungen sichtbar zu machen.
Warum ist das Spaghetti-Diagramm so wirkungsvoll?
Dieses Lean Management Tool macht unsichtbares sichtbar!
In vielen Betrieben laufen Mitarbeitende täglich Hunderte von Metern oder gar Kilometer, ohne dass es jemandem bewusst ist. Vieles davon ist unnötig: Werkzeuge, Materialien oder Maschinen sind ungünstig platziert, Prozesse nicht optimal strukturiert. Hier hilft das Spaghetti-Diagramm, Probleme sichtbar zu machen und den Ist-Zustand realistisch darzustellen.
Wo kann das Spaghetti-Diagramm eingesetzt werden?
Überall da, wo Laufwege anfallen und Verschwendung entstehen kann
Das Diagramm ist vielfältig einsetzbar. Hier ein paar Ideen für Dich und Dein Unternehmen.
1. Rüstzeiten optimieren (SMED-Methode)
Wenn Maschinen umgerüstet werden müssen, verbringen Mitarbeitende oft viel Zeit mit Suchen und Laufen. Ein Spaghetti-Diagramm hilft, diese Bewegungen zu minimieren.
2. Stapler- und Logistikwege analysieren
Lange Wege, Staus oder Engpässe in der Logistik? Das Diagramm zeigt, wo Umwege entstehen und wo Fahrwege optimiert werden können.
3. Arbeitsplatzgestaltung verbessern
Sind Materialien, Werkzeuge oder Klebebänder optimal platziert? Oder muss jedes Mal durch die halbe Halle gelaufen werden, um eine Schraube zu holen?
4. Prozesse im Versandhandel optimieren
Egal ob Versand oder Produktion – wo viel gelaufen wird, steckt oft Optimierungspotenzial. Gerade im Versandhandel macht das Tool die Bereiche deutlich, in denen sich zu viele Personen zur gleichen Zeit tummeln. Lege Deine Diagramme einfach „übereinander“ und Du siehst, wo viel Ware gepickt wird. Hier liegen häufig die Schnelldreher, an die alle ranmüssen. Ein neuer Workflow, der die Schnelldreher filtert und die Aufträge von einer Person picken lässt entschärft die zu starke Frequentierung in diesem Bereich.
Kombination mit Schrittzähler
So entsteht Messbarkeit – Deine Basis für noch bessere Entscheidungen
Eine Ergänzung zum Spaghetti-Diagramm ist der Schrittzähler. So kannst Du messen, wie viele Schritte oder Kilometer Mitarbeitende für bestimmte Aufgaben zurücklegen. Das sorgt für noch bessere Argumente, wenn es um die Freigabe von Optimierungsbudgets geht.
Fazit: Einfache Methode mit großer Wirkung
- Das Spaghetti-Diagramm deckt unnötige Wege auf und visualisiert Probleme.
- Es kann in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden – von der Produktion bis zur Logistik.
- Die Kombination mit Schrittzählern macht Optimierungspotenziale noch greifbarer.
- Nach der ersten Analyse sollte eine Optimierung folgen – und eine erneute Visualisierung zur Erfolgskontrolle.
Einfach ausprobieren – es kostet nur ein Blatt Papier, kann aber tausende unnötige Meter einsparen! So kickst Du die Verschwendung raus!
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In diesem Sinne: No More Kuddelmuddel!